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Bodenkunde

"Boden ist das mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzte, unter dem Einfluss der Umweltfaktoren an der Erdoberfläche entstandene und im Ablauf der Zeit sich weiterentwickelnde Umwandlungsprodukt mineralischer und organischer Substanzen mit eigener morphologischer Organisation, das in der Lage ist, höheren Pflanzen als Standort zu dienen und die Lebensgrundlage für Tiere und Menschen bildet. Als Raum-Zeit-Struktur ist der Boden ein vierdimensionales System." (D. SCHROEDER: Bodenkunde in Stichworten, 1992)

Die Bodenkunde gehört zur Grundlagenforschung der Agrarwissenschaften und beinhaltet verschiedene Fachgebiete, vor allem die Mineralogie, Geologie, Meteorologie, Physik, Chemie und Biologie.

Böden entwickeln sich sehr langsam. Die Menge an Erde, die ein Bagger in einer Minute ausgräbt, hat viele Jahrhunderte benötigt, um "Boden" zu werden. Um genau zu sein: 15.000 Jahre dauert es im Durchschnitt, bis ein Meter Boden entsteht. In einer Hand voll Boden gibt es mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde. Der Boden stellt – zusammen mit Wasser und Luft – die wichtigste Grundlage aller Lebensprozesse in der Natur dar. Er ist die Produktionsgrundlage in der Landwirtschaft, er speichert z. B. das Niederschlagswasser um es in trockeneren Perioden an die Vegetation abzugeben.

Seit der Mensch Ackerbau betreibt, hat er Einfluss auf den Boden genommen um seine Ernährung sicherzustellen. Dabei hat er zum einen die natürliche Bodenfruchtbarkeit genutzt, teilweise verbessert. Aber auch zu einer negativen Beeinträchtigung der Bodenfunktionen beigetragen.

Die derzeit wichtigsten Teilprobleme sind Bodenverunreinigungen, Bodenversauerung, Bodenverdichtung, Bodenerosion und Stoffausträge ins Grundwasser. Weiterhin führt die dauerhafte Umnutzung landwirtschaftlich genutzter Böden zu Siedlungs- und Verkehrsflächen zu einem unumkehrbaren Verlust.

Aus den oben genannten Gründen ergeben sich für den Landwirtschaftlichen Sachverständigen im Fachbereich Bodenkunde vielfältige Begutachtungsthemen:

  • Bodenkartierung (systematische Beschreibung von Bodenaufbau sowie chemischer und physikalischer Eigenschaften, z. B. für die landwirtschaftliche Standortbeschreibung, der Planung oder des Bodenschutzes).
  • Bodenschutz (bodenkundliche bzw. pflanzenbauliche Gutachten über die Gehalte und Wirkungen von Schadstoffen aus der landwirtschaftlichen Anwendung von Siedlungsreststoffen (Klärschlamm, Kompost u. a.).
  • Rekultivierung/Melioration, d.h. Ansprache und Beurteilung von Bodenschäden (z. B. bei Rekultivierungen, Aufschüttungen, Baumaßnahmen, Umweltbelastungen, Bodenerosion). Gutachten über Möglichkeiten und Maßnahmen zur Beseitigung von Bodenschäden.
  • Einstufung der Böden nach dem Bodenschätzungsgesetz und nach den Vorschriften der Flurbereinigung.